Buchempfehlung: Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung
von Birgit Dreyer

von Jasper Gaude
Der Christkindlmarkt auf dem Marienplatz wirkt auf den ersten Blick gut zugänglich: Es gibt keine hohen Bordsteine, keine Treppen und auch keine unüberwindbaren Hindernisse für Menschen mit Rollstuhl oder Gehbehinderung. Die Gassen sind zwar eng, doch das gehört zu einem traditionellen Christkindlmarkt einfach dazu und trägt zur besonderen Atmosphäre bei.
Um die Barrierefreiheit dennoch genauer unter die Lupe zu nehmen, waren wir auf Einladung des Bereichs Tourismus vom Referat für Arbeit und Wirtschaft der Stadt München vor Ort. Neben Glühwein, gebrannten Mandeln und Lebkuchen stand diesmal also auch die Frage im Mittelpunkt: Wie leicht lässt sich der Markt für alle nutzen?


Treffpunkt war der 25 Meter hohe Weihnachtsbaum vor dem neuen Rathaus – ein Orientierungspunkt, der kaum zu übersehen ist. Nach einer herzlichen Begrüßung durch den Leiter des Tourismus-Bereichs führte uns eine erfahrene Christkindlmarktführerin über den bereits am Vormittag gut besuchten Markt.
An verschiedenen Ständen hielten wir an, um uns deren Gestaltung anzusehen. Dabei zeigte sich: Viele der Tische, Theken und Tresen stammen noch aus Zeiten, in denen Barrierefreiheit im öffentlichen Raum weniger im Fokus stand. Für Menschen im Rollstuhl sind diese Höhen deshalb oft schwer erreichbar. Auch freie Tischflächen, die unterfahrbar wären, sind noch nicht überall vorhanden.
Gleichzeitig konnten wir an mehreren Ständen bereits positive Beispiele entdecken: niedrigere Theken, alternative Bestellmöglichkeiten oder Tische, die auch im Sitzen gut nutzbar sind. Diese Ansätze zeigen, dass der Markt sich bereits auf einem guten Weg befindet.
An einem Glühweinstand haben wir seitlich eine Rampe entdeckt. Diese endete vor einem Schiebefenster mit niedriger Theke. Eine durchdachte Lösung, die das Bestellen für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer deutlich erleichtert.

In der Praxis zeigte sich jedoch: Das Rückwärtsfahren über die Rampe kann schwierig werden, besonders wenn beide Hände mit heißen Speisen oder Getränken voll sind. Hier entsteht eine kleine Alltagshürde, die sich mit wenigen Anpassungen weiter verbessern ließe. Eine mögliche Idee wäre beispielsweise ein „Drive-in“-Prinzip, bei dem man mit dem Rollstuhl einfach durchfahren kann – oder ein noch direkter zugänglicher Bestellbereich ohne Rampe.

Der Christkindlmarkt auf dem Marienplatz bietet bereits viele positive Ansätze für mehr Barrierefreiheit. Die Wege sind gut befahrbar, einige Stände haben vorbildliche Lösungen entwickelt, und das Thema wird zunehmend sichtbarer.
Gleichzeitig gibt es Stellen, an denen sich mit kleinen Optimierungen der Besuch für alle noch angenehmer gestalten ließe – besonders bei Tisch- und Thekenhöhen oder bei alternativen Bestellmöglichkeiten.

Dass der Markt bereits so barrierefrei ist, haben wir den steten Bemühungen des Behindertenbeirats der Stadt München zu verdanken. Wir freuen uns über die Verbesserungen, die bereits stattgefunden haben, und freuen uns darauf, die weiteren Entwicklungen des Marktes hin zu noch mehr Barrierefreiheit zu beobachten.